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Gnade weckt Eifer, nicht Passivität


»Denn die Sünde wird nicht herrschen über euch, weil ihr nicht unter dem Gesetz seid, 
sondern unter der Gnade.« (Römer 6,14)

 


 

John MacArthur

Was Paulus damit meint, dass Christen »nicht unter dem Gesetz« sind, ist ziemlich einfach. Die Gläubigen sind frei vom verdammenden Schuldspruch des Gesetzes (Röm. 8,1). Wir sind vom Fluch des Gesetzes erlöst (Gal. 3,13). Wir versuchen nicht, uns durch die Werke des Gesetzes irgendeinen Teil unserer Rechtfertigung selbst zu verdienen. Wir wissen genau, was Paulus meint, wenn er davon spricht, »unter dem Gesetz« zu sein, weil er seinen Brief an die Galater schrieb, um den Irrtümern entgegenzutreten und die Verwirrung der Menschen in diesen Gemeinden zu korrigieren, die sich wieder unter das Gesetz stellten. Zu ihnen sagt er in Galater 4,21: »Sagt mir, die ihr unter dem Gesetz sein wollt: Hört ihr das Gesetz nicht?« In Kapitel 5,4 spricht er sie nochmals an: »Ihr seid losgetrennt von Christus, die ihr durchs Gesetz gerecht werden wollt.« Im paulinischen Sinn »unter dem Gesetz« zu sein heißt also, seine Rechtfertigung (ganz oder teilweise) auf gesetzlichem Wege in den eigenen Werken zu suchen.

Doch bedenken wir: Die Gnade stellt absolut nicht das Gesetz in Frage. »Wie nun? Sollen wir sündigen, weil wir nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade sind?« (Röm. 6,15). Paulus' Antwort auf diese Frage ist unzweideutig und voller Leidenschaft: »Das sei ferne!« Die Gnade Gottes erzeugt im Herzen eines Menschen, dessen Glaube authentisch ist, keine geistliche Passivität oder Gleichgültigkeit. Tatsächlich ist dies gerade der Zweck der Unterweisung durch die Gnade, »damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in der jetzigen Weltzeit … [und] eifrig [sind], gute Werke zu tun« (Tit. 2,12.14).
Bedenken wir, dass das Werk der Gnade in der Erfahrung eines Christen mit dem »Bad der Wiedergeburt und durch die Erneuerung des Heiligen Geistes« beginnt (Tit. 3,5)! Der Heilige Geist pflanzt dem Christen ein ganz neues Herz und einen ganz neuen Geist ein: »Und Ich will euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres legen; Ich will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben; ja, Ich will Meinen Geist in euer Inneres legen und werde bewirken, dass ihr in Meinen Satzungen wandelt« (Hes. 36,26-27). Gute Werke sind nicht der Grund unserer Rechtfertigung, aber die unvermeidliche Folge unserer Wiedergeburt.
Die durch die Gnade gewirkte Erlösung ist allumfassend; die Gnade endet nicht mit unserer Rechtfertigung. Sie lehrt uns weiter durch die Gegenwart hindurch, trägt uns auf dem Weg zur Herrlichkeit und lehrt uns unterwegs, besonnen, gerecht und gottesfürchtig zu leben. Wer auch immer denkt, Gott sähe über die Sünden Seines Volks munter hinweg, hat von der Gnade nicht das Geringste verstanden. Ähnlich ist auch die Vorstellung, dass die Gnade den Christen erlaube, hinsichtlich ihrer eigenen Übertretungen sorglos oder tolerant zu sein, eine verderbliche Lüge.

Das soll nun nicht heißen, dass wir als Christen nicht mit Sünde oder Versuchung zu kämpfen hätten. Ganz im Gegenteil: Als Christen führen wir einen permanenten Krieg gegen die Sünde, indem wir immer danach streben, sie zu töten, aber nie danach, mit ihr zu tanzen. »Denn das Fleisch gelüstet gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch; und diese widerstreben einander, sodass ihr nicht das tut, was ihr wollt« (Gal. 5,17). Weil die Sünde ein so hartnäckiger Feind ist, werden unsere gerechten Wünsche oft enttäuscht. Paulus hatte dies klar begriffen; in Römer 7 beschreibt er diese Frustration in leidenschaftlichen Worten. An anderer Stelle hat er schon zugegeben: »Ich halte mich selbst nicht dafür, dass ich es ergriffen habe« (Phil. 3,13). Er verkörpert zwar die Spuren geistlicher Reife und Hingabe an Christus, doch wie wir alle ist auch Paulus noch weit von der Vollkommenheit entfernt, und das weiß er auch. »Ich jage aber danach, dass ich das auch ergreife, wofür ich von Christus Jesus ergriffen worden bin« (V. 12).

Die Gnade lehrt die Christen diese Haltung. Dieses irdische Leben ist ein langer Kampf auf dem Weg zum Ziel der Heiligung, wobei wir immer mehr in die vollkommene Christusähnlichkeit umgestaltet werden. Das ist ein Prozess, der von der Gnade angetrieben und gefördert wird. Und er hat neben einem positiven auch einen negativen Aspekt.

Auf der negativen Seite lehrt uns die Gnade, »die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden [zu] verleugnen« (Tit. 2,12). Das ist eine praktische, alltagstaugliche Formulierung der Selbstverleugnung, zu der Jesus aufruft: »Wenn jemand Mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge Mir nach!« (Mt. 16,24). Das ist natürlich die Frucht der Gnade Gottes in uns und nicht etwas, was wir durch einen freien Akt der Selbstbestimmung aus uns heraus vollbringen. Das Abtöten unserer Sünde mag uns vielleicht wie schwierige eigene Bemühungen vorkommen; doch der Wunsch, gegen die Lust unseres eigenen Fleisches und die Versuchungen, die uns attackieren, anzukämpfen, wird dennoch durch die Gnade hervorgebracht. Paulus beschreibt diese Spannung zwischen der Mühe, die wir an den Tag legen, und der Gnade, die diese Bemühungen fördert, sehr gut: »Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin; und Seine Gnade, die Er an mir erwiesen hat, ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe mehr gearbeitet als sie alle; jedoch nicht ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir ist« (1.Kor. 15,10).
Genauer gesagt ist es die Kraft Christi durch den uns innewohnenden Heiligen Geist, die uns dazu befähigt, der Sünde abzusagen und ihr zu widerstehen. Unter der Gnade und nicht mehr unter der Verdammnis des Gesetzes zu sein heißt: »Die Sünde wird nicht herrschen über euch« (Röm. 6,14). Es heißt nicht, dass Christen der drängenden Kraft der Sünde nicht mehr widerstehen müssten. Sondern es heißt, dass die Gnade sie mit der Stärke und dem Willen ausrüstet, der Versuchung zu widerstehen, »...denn Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen als auch das Vollbringen wirkt nach Seinem Wohlgefallen« (Phil. 2,13).

Auf der positiven Seite lehrt uns die Gnade, »besonnen und gerecht und gottesfürchtig [zu] leben in der jetzigen Weltzeit« (Tit. 2,12). Da wir nun einen gerechten Stand vor Gott haben, weil uns Christi Gerechtigkeit zugerechnet wird, ist es ganz angebracht, dass wir danach streben sollen, diese vollkommene Gerechtigkeit zu ehren und (durch Gottes Gnade) danach zu streben, uns selbst daran anzupassen. Wie könnte die Gnade etwas anderes lehren? »Sollen wir in der Sünde verharren, damit das Maß der Gnade voll werde? Das sei ferne! Wie sollten wir, die wir der Sünde gestorben sind, noch in ihr leben?« (Röm. 6,1-2). Für Paulus war es absolut unvorstellbar, dass jemand, der durch Gottes Gnade aus dem Gericht gerettet und umgestaltet worden ist, aus Nachlässigkeit oder gar bewusst in der Sünde verharren könnte.
Mit anderen Worten: Die Gnade erlöst uns nicht aus der Hölle, ohne uns auch aus unserer Versklavung an die Sünde zu befreien. Wer etwas anderes lehrt, ehrt damit nicht das Prinzip der Gnade, sondern bereitet ihm Schande.
Wenn jemand keine Anzeichen der Heiligung (besonnenes, gerechtes und gottesfürchtiges Verhalten) zeigt, dann gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass diese Person Gnade empfangen habe. Ebenso wenig hat ein Mensch, der sich nie von der Sünde abgewandt hat, die Gnade Gottes kennengelernt. Die größte Gefahr des Antinomismus (d.h. der Überzeugung, Christen seien frei von jeder Art von moralischen Vorschriften, gesetzlichen Vorgaben oder Verhaltensregeln) ist die, dass sie diese Wahrheit verschleiert (oder leugnet) und auf diese Weise Menschen in falscher Sicherheit wiegt, die nur Lippenbekenntnisse für Christus ablegen, aber nach wie vor unter der Verdammnis sind, weil sie noch nie wahre Teilhaber an Gottes Gnade gewesen sind.

Es liegt nicht am Christen, sich für oder gegen Heiligung im alltäglichen Leben zu entscheiden, sondern alle Christen sind »vorherbestimmt, dem Ebenbild Seines Sohnes gleichgestaltet zu werden« (Röm. 8,29). Weil Er allmächtig und Seine Gnade immer wirksam ist, ist es nicht möglich, dass ein Christ vollkommen darin versagen könnte, die Früchte guter Werke zu bringen. Gottes Gnade verändert das ganze Leben des Christen und nicht nur sein religiöses Bekenntnis.

 

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch »Das Evangelium – Wie Paulus es verkündet hat« von John MacArthur.